„Fange nie an aufzuhören, höre nie auf anzufangen.“ Wer Hugo Bringhen begegnet, erfährt umgehend, was dieser Satz tatsächlich bedeutet. Es ist ein Motto, das Hugo Bringhen, 91, selbst formuliert und auch immer wieder umgesetzt hat, wie ein Blick auf sein Leben verdeutlicht. Als er 1959 gemeinsam mit seinem Vater Hans die BRINGHEN AG in Visp gründete, legte er auch das Fundament der heutigen BRINGHEN Group.

Herr Bringhen, welches waren im persönlichen Rückblick auf über 91 Jahre die für Sie wichtigsten Momente?

Auslöser für die Entscheidung, ein selbständiger Unternehmer zu werden, war das Militär, so erstaunlich dies zunächst klingen mag. Um nach der Matura in Sitten ein Studium an der Uni Lausanne zu finanzieren, arbeitete ich bei einer Grosshandelsfirma in Lausanne. Als mir als jungem Offizier dann ein längerer Militärdienst bevorstand, bei dem ich die Gelegenheit hatte, vertiefte Führungs- und Verwaltungskenntnisse zu erwerben, war mein Arbeitgeber nicht bereit, mir diese Ausfallzeiten zu gewähren. Das war der Tag, an dem ich beschloss, mein eigener Chef zu werden.

1955 gründete ich die „Sand und Kies AG Baltschieder“ und belieferte die Baustelle der Kraftwerkzentrale Ackersand mit Material. Die Einnahmen waren allerdings so gering, dass ich Tag und Nacht arbeitete und selbst stundenlang auf den Maschinen sass. Trotzdem war das Geld für meine junge Familie so knapp, dass meine Frau während ihrer ersten Schwangerschaft vorübergehend wieder in ihrem Elternhaus wohnte.

Gemeinsam mit meinem Vater Hans gründete ich dann 1959 die Bringhen AG in Visp. Er war mir aufgrund seiner langjährigen Erfahrung als Leiter einer anderen Baumaterialfirma in Visp eine grosse Unterstützung. Es erwies sich als äusserst schwieriges Unterfangen, Zugang zum freien Einkauf von Baumaterialien und später zum Sanitärbereich zu erlangen. Die Branche des VSBH, der Verband des Schweizerischen Baumaterial-Handels, wies damals geradezu kartellhafte Strukturen auf. Es war harte Überzeugungsarbeit notwendig, um Fuss fassen zu können. Auf der einen Seite die Händler, welche keinen neuen Konkurrenten auf dem Markt duldeten, auf der anderen Seite die Lieferanten, die nur mit einem vertrauenswürdigen, zahlungskräftigen Händler Geschäfte tätigen wollten. Aber mit viel Einsatz schafften wir es, diese Hürden zu überwinden.

Hugo Bringhen in der Küchenausstellung der BRINGHEN AG Visp, im Jahr 2014.

„Bei wirtschaftlichen Engpässen musste ich Mittel und Wege finden, diese zu überbrücken, nicht zuletzt aus der Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern.“

In 6 Jahrzehnten Firmengeschichte gibt es zwangsläufig auch schwierige Phasen. Wie sind Sie in Ihrer Zeit als Firmenchef damit umgegangen?

Bei wirtschaftlichen Engpässen musste ich Mittel und Wege finden, diese zu überbrücken, nicht zuletzt aus der Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern. Als vorausschauend planender Geschäftsmann habe ich immer darauf geachtet, entsprechende Rücklagen zu bilden. Als uns zum Beispiel in den 1970ern die allgemeine wirtschaftliche Krise auch im Oberwallis erreichte, sackte der Umsatz auf etwa die Hälfte zusammen. Nun gab es zwar Rückstellungen, auf die ich zurückgreifen konnte, aber dementsprechend erhöhte sich die Steuerlast. Wir waren also auch auf das Entgegenkommen unserer Banken und Kreditoren angewiesen. Aber inzwischen war die Bringhen AG mehr als nur ein geduldetes Mitglied des VSBH. Als Präsident des Oberwalliser Baustoffverbands hatte ich mich auch innerhalb des Schweizerischen VSBH etabliert, nicht zuletzt wegen meiner Dreisprachigkeit und meiner Führungserfahrung, welche mir immer wieder bei vermittelnden Rollen innerhalb des Verbands zu Gute kamen. Die Vertrauensbasis, die ich als Händler bei Geschäftspartnern auf beiden Seiten erarbeitet hatte, half uns schliesslich, die notwendigen Kredite zu bekommen.

Hugo Bringhen und sein Sohn Jean-Pierre, CEO der BRINGHEN Group, im Mai 2016 bei der Eröffnung der SANIMAT AG in Sursee, 12. Filiale der Gruppe.

„Es gibt nur einen Boss: den Kunden. Er kann jeden Unternehmer feuern, ganz einfach indem er sein Geld woanders ausgibt.“

Wo sehen Sie die Eckpfeiler für den Erfolg der Bringhen Group?

Eine Basis des Erfolgs ist die Verlässlichkeit unseres Unternehmens als Geschäftspartner, die sich wiederum aus verschiedenen Faktoren zusammensetzt: Seriosität bei der Einhaltung von Abmachungen unsererseits aber auch die Bereitschaft, einem Geschäftspartner entgegenzukommen, wenn er in Schwierigkeiten steckt. Wichtig sind zudem die profunde Sach- und Fachkenntnis unserer Mitarbeiter und die Qualität der Produkte, die wir verkaufen. Wir haben stets die Nähe zum Kunden und seine Wünsche im Auge, denn der Kunde ist unser wichtigster Chef. Ganz nach meinem Motto: „Es gibt nur einen Boss: den Kunden. Er kann jeden Unternehmer feuern, ganz einfach indem er sein Geld woanders ausgibt.“ Entscheidend ist auch die klare Führungsstruktur, die ich im Übrigen aus der Zeit beim Militär mitgebracht habe. Konkret: ein Amt, das übergeben worden ist, ist übergeben worden. Das erspart viele unnötige Diskussionen. Mein Sohn Jean-Pierre Bringhen, seit 2001 CEO der Bringhen Group, kann mich um meine Meinung und um meinen Rat fragen, aber ich rede ihm nicht rein. Alle diese Faktoren spielen eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Unternehmens, von dazumal 5 Mann bei der Bringhen AG Visp im Jahr 1959 bis zu heute 13 Standorten der Bringhen Group schweizweit mit 350 Mitarbeitern.

Hugo Bringhen an der Vifra 2013, sportlich wie immer.

„Es erfüllt mich mit Freude, dass nun auch die vierte Generation aktiv in unserem Familienunternehmen tätig ist.“

Und welches sind die Eckpfeiler für Ihre persönliche Zufriedenheit?

Für meine persönliche Zufriedenheit war nie das Geld entscheidend. Persönlicher Erfolg lässt sich nicht in Zahlen messen, ich habe auch nie fürs Geld gelebt oder mit Luxusgütern geprahlt. Meine Familie war und ist mir immer sehr wichtig. Es erfüllt mich mit Freude, dass nun auch die vierte Generation aktiv in unserem Familienunternehmen tätig ist: meine beiden Enkeltöchter Claudia Petrig-Bringhen und Nicole Lochmatter-Bringhen sowie Nicoles Ehemann Michael Lochmatter-Bringhen. Durch meine tägliche Anwesenheit und meine unterstützenden Tätigkeiten bewege ich mich in einem Rahmen, in dem ich weiterhin soziale Kontakte pflegen, eine Aufgabe wahrnehmen und einem geordneten Tagesablauf folgen kann. Ich war immer ein begeisterter Velofahrer und gerne in der Natur unterwegs. Noch im 2017 habe ich rund 3600 km auf dem Velo zurückgelegt. Nach einem Oberschenkelbruch durch einen Sturz im Dezember 2017 muss ich sportlich nun wortwörtlich kürzer treten, aber insgesamt fühle ich mich mit meinen 91 Jahren noch immer sehr wohl. Ganz besonders stolz und glücklich bin ich natürlich darüber, dass ich im 2018 gleich zwei Mal Urgrossvater geworden bin. Dieses grosse Glück erfahren nicht viele Menschen und ich bin sehr dankbar dafür. Umso mehr bedauere ich es, dass meine verstorbene Ehefrau Jeannine ihre zwei Urenkelinnen nicht mehr erleben durfte.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Sie wollen wissen, ob ich noch unerfüllte Wünsche habe? (Hugo Bringhen schmunzelt und zeigt auf das Foto von einer seiner Urenkelinnen.) Ich glaube, dazu habe ich schon alles gesagt. Ich bin sehr zufrieden und möchte dies gerne noch eine Weile geniessen dürfen.

Hugo Brighen im WB-Monatsgespräch, 28.10.2017

Einen Tag vor seinem 90. Geburtstag stellte sich Hugo Bringhen ausführlich den Fragen des Walliser Boten über seinen Lebensweg.