Gerold Vomsattel, dipl. Architekt FH BSA SIA, ist seit 2006 mit Rita Wagner gemeinsamer Inhaber von Vomsattel Wagner Architekten in Visp. Neben der Planung und Ausführung von Neu-,  Umbauten und Sanierungen hat sich die Firma insbesondere auch in den Bereichen Innen- und Landschaftsarchitektur einen Namen gemacht und verzeichnet verschiedene lokale und überregionale Wettbewerbserfolge. Bauen betrachtet Gerold Vomsattel als eine gesellschaftlich verantwortungsvolle Aufgabe, der mit Sensibilität und Achtung begegnet werden muss.

Herr Vomsattel, durch welche Einflüsse wurden Sie auf Ihrem beruflichen Weg geformt?

Ich habe eine fundierte Grundausbildung zum Möbel-Schreiner an den Lehrwerkstätten Bern genossen, auf die ich heute noch stolz bin. Die Ausbildung dort war in vieler Hinsicht überdurchschnittlich professionell: Neben Fachwissen und -kompetenz hat man uns auch Idealismus, Perfektionismus, Berufsstolz und Ehrgeiz vermittelt. Diese Tugenden haben mich nachhaltig geprägt. Im Laufe meines weiteren Werdegangs war ich immer darauf erpicht, mir das Wissen von renommierten Schulen, Büros und Personen aneignen zu können. Zunächst absolvierte ich ein Praktikum bei einem BSA-Architekten, nach Vermittlung durch die Oberwalliser Architekten Heidi und Peter Wenger, danach das Architekturstudium am Technikum Luzern. An der ETH Zürich war ich Entwurfsassistenz von Prof. M. Campi bei  den Abschlusssemestern. Dies alles waren wichtige Meilensteine, die mich wesentlich geprägt haben.

Foto: Geschäftshaus Raiffeisenbank, Visp

„Wir setzen darauf, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren.“

Welchen Einfluss haben neuartige Materialien und Technologien auf die Architektur?

Neue Materialien und Technologien haben eine sehr grossen Einfluss. Man möchte schon sagen, es ist Fluch und Segen zugleich. Während man früher auf die Bearbeitung von Grundmaterialien wie vor allem Stein und Holz begrenzt war, wodurch ein homogenes Erscheinungsbild gewahrt blieb, sind es heutzutage gerade verschiedenste Materialien, deren mögliche Imitationen und diverse Technologien, welche ein sehr heterogenes Bild in der Architektur hinterlassen. Es versteht sich von selbst und wird geradezu unvermeidbar, dass dadurch ein Sammelsurium an Materialien präsentiert wird. Das wollen wir verhindern und wir setzen darauf, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Persönlich störe ich mich am meisten an Materialimitationen. Plättli, die wie Holz aussehen, Betonwände und Kunststoffböden in der Optik von Naturmaterialien usw., das alles sind Produkte, die wir konsequent ablehnen und nicht einsetzen. Auch auf Fensterrahmen aus Kunststoff verzichten wir. Da es bei der Nachfrage nach Imitationen hauptsächlich um vermeintliche Kosteneinsparungen geht, bieten wir immer alternative Lösungen mit authentischen Materialien, die sich langfristig auch bewähren.

„Bauen ist eine Aufgabe, der mit Sensibilität und Achtung begegnet werden muss.“

Wo sehen Sie die Rolle des Architekten in der Gesellschaft?

Architektur ist der beste Gradmesser für unsere Kultur. In der Architektur liegt unsere Vergangenheit, in ihr zeigt sich unsere Gegenwart und entwickelt sich unsere Zukunft. Somit trägt der Architekt eine sehr wichtige gesellschaftliche Funktion: Er trägt Verantwortung für die Gestaltung unserer ge- und bebauten Umwelt, und dies mit grosser Langzeitwirkung. Bauen ist eine Aufgabe, der mit Sensibilität und Achtung begegnet werden muss. Dieser gesellschaftlichen Verantwortung des Architekten wird leider zu wenig Bedeutung geschenkt: Jeder kann planen und bauen, egal ob er das erforderliche Gespür dafür hat oder nicht.

 

Foto: Bahnhofsplatz, Naters

Woran messen Sie selbst Ihren Erfolg?

Ob und wie Erfolg messbar ist, lässt sich diskutieren. Sicherlich gibt es aber verschiedene Indikatoren, die mir anzeigen, ob ich meinen Aufgaben als Architekt gerecht werde: Die Zufriedenheit der Kunden ist natürlich ausschlaggebend. Dabei ist entscheidend, die Bauherrschaft insgesamt zufrieden zu stellen bezüglich Architektur, Finanzen und auch Termineinhaltung. Aber auch Anerkennung durch qualifizierte Berufskollegen bedeutet für mich ein wichtiges Feedback.

„Unser Ziel ist es, bis ins Detail Baukultur zu schaffen, die man auch in 50 Jahren noch als solche erkennt und würdigt.“

Neubau Bürogebäude in Visp – Umbau des alten Spittel Visp – moderne Ferienwohnung in einem historischen Gebäude – Was haben Ihre Projekte gemeinsam?

Charakteristisch ist die Hartnäckigkeit, mir der wir daran arbeiten, bei jedem Projekt das optimale Potenzial auszuschöpfen. Sei es bei der Gestaltung, der klaren Raumausbildung, der Raumnutzung, der Lichtführung oder bei der Ehrlichkeit in der Materialauswahl. Kurzum: Unser Ziel ist es, bis ins Detail Baukultur zu schaffen, die man auch in 50 Jahren noch als solche erkennt und würdigt.

Welches Projekt bedeutete für Sie bisher die grösste Herausforderung?

Jedes Projekt stellt uns vor seine eigenen, spezifischen Herausforderungen: Manchmal sind es Vorschriften, Behörden oder die finanzielle Ausgangslage, manchmal die Topografie, bisweilen auch die besonderen Wünsche der Bauherrschaft und sicher nicht zuletzt die an der Umsetzung beteiligten Unternehmen.

Umbauten sind im Vergleich zu Neubauten grundsätzlich viel komplexer. Wir werden zum Teil mit Umbauten betraut, die viel Erfahrung bedürfen, nicht nur in architektonischer sondern auch in logistischer und sicherheitstechnischer Hinsicht.

Foto: Binntalhütte SAC

An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit?

Gegenwärtig bearbeiten wir im Büro rund 20 Projekte unterschiedlicher Grösse. Vom kleinen Umbau in den Bergen bis zu mittelgrossen Neubauprojekten im Talgrund. In der Abschlussphase befindet sich aktuell der Umbau des Restaurant La Poste in Visp, der Umbau und Erweiterung der Binntalhütte, sowie einige Wohnungsumbauten.

Wo finden Sie Ihre persönliche Quelle der Inspiration?

Unsere Umgebung, egal ob in der Heimat oder auf Reisen, liefert immer viel Inspiration. Ebenso natürlich auch Medien, Fachliteratur, Foren und Besichtigungen und der Austausch mit Kollegen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Partner bei der Realisierung eines Projektes aus?

Primär ist es der Bauherr, der über die Auswahl der Planer und Unternehmer entscheidet. Aber wir nehmen natürlich entsprechend Einfluss dabei, um dem Projekt die nötige Sorgfalt und professionelle Umsetzung zu gewähren, und setzen dabei bevorzugt auf erfahrene, kompetente Unternehmen.

Wie viel Architektur braucht der Mensch?

Architektur ist allgegenwärtig und beeinflusst uns ständig. Wir verbringen die meiste Zeit in, um und zwischen Gebäuden, wobei wir uns mehr oder weniger wohlfühlen. In Ferienzeiten besichtigen wir Dörfer und Städte, das heisst wir beschäftigen uns bewusst mit Architektur. Um sich wohlzufühlen, braucht der Mensch gute Architektur: stimmige und passende Raumatmosphäre, Materialisierung, Akustik, Lichtführung etc..

Ist Ästhetik am Bau mehr als nur Luxus?

Ästhetik respektive Gestaltung kann sich jeder leisten und ist nicht von der Grösse des Budgets abhängig. Vielmehr ist sie abhängig von der Sensibilität des Bestellers oder Nutzers und von den Fähigkeiten des Erschaffers. Ästhetik am Bau ist somit mehr als Luxus: sie ist Lebenseinstellung.

 

Foto: Das Team Vomsattel Wagner Architekten auf der Stahlbrücke nach Bitsch, Teil des realisierten Projekts FO-Trassee Naters.

Vomsattel Wagner Architekten
3930 Visp
info@vwarch.ch
hp-arch.ch

Reportage in IDEA 3/2017 über den Umbau einer Ferienwohnung

Ideen und Hintergrundgedanken von Architekt Gerold Vomsattel sowie ausführliche Informationen über den Umbau in einem alten Holzhaus. (Reportage in Französisch)

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