Urs Meichtry, Bauherr der WOGE in Visp, ist Mitinhaber, Geschäftsleiter und Verwaltungsrat der Werner Isolierwerk AG Visp. Neben Generalunternehmern, Privaten, Gewerbetreibenden und Hoteliers zählt er auch die Schweizer Armee, Banken, Versicherungen und Grossunternehmen wie die Lonza AG, Swisscom und Migros zu seinen Kunden. Im Interview stellt er die Wohn- und Gewerbeüberbauung WOGE vor, spricht über Herausforderungen im Bauwesen, Chancen und Risiken neuer Produkte und darüber, was ihm Architektur bedeutet.

„Im Bauwesen sollte die Sicherheit der Menschen Priorität haben.“

Herr Meichtry, wie ist die Idee zur WOGE, Wohnen und Gewerbe, entstanden?

Die Idee ist vor vier Jahren gekommen, nachdem unser altes Lager abgebrannt war und ich nicht bereit war, weiterhin viel Geld für Miete zu bezahlen. Also habe ich nach einer Parzelle für ein zweistöckiges Industriegebäude gesucht mit einem Budget von 1 Million Franken. Hier, in einer Zone W4 Zone Mix Wohnen und Gewerbe, ist dann die „Titanic von Visp West“ entstanden, viel grösser als ursprünglich angedacht und mit Baukosten von 10 Millionen. Aber bei den derzeitigen Zinsen und mit viel Eigenarbeit haben wir schliesslich alles sehr gut über die Bühne gebracht.

„Die Titanic von Visp West“, so hat der Walliser Bote am 20.10.2016 die WOGE genannt. Was sagen Sie zu diesem Wortspiel?

Mir hat es gefallen! Natürlich haben mich einige Leute darauf angesprochen, ob es mir nicht Angst machte, die Titanic sei ja untergegangen. Aber ich fand den Vergleich amüsant, der sich natürlich aus der spitz zulaufenden, bugartigen Fassade an der Westseite ergeben hat.

Gewerbe und Wohnen unter einem Dach. Welche besonderen Anforderungen ergeben sich aus dieser Kombination?

Die Wohnungen sind insbesondere gedacht für Angestellte von Temporär-Büros, junge Menschen, die gerade von zu Hause ausgezogen sind oder einfach Menschen, die kurzfristig auf der Suche nach einer kleinen Wohnung sind und mit einer günstigen, möblierten 2.5-Zimmer Wohnung zufrieden sind. Es gibt noch freie Wohnungen für unter CHF 900.-. Somit haben wir das Potential der Zone W4 Mix Gewerbe und Wohnen optimal genutzt.

Sie selbst arbeiten und wohnen ebenfalls in der WOGE. Sicher ein Vorteil, wenn man beruflich viel unterwegs ist. Aber wie sieht es mit Feierabend aus, finden Sie den „Absprung“ aus dem Alltag des Geschäftsmanns?

Ich habe schon immer gerne und viel gearbeitet und nun nur noch etwa 20 Treppenstufen Arbeitsweg zu haben, ist für mich ideal. Beruf und Freizeit kann ich sehr gut trennen. Wenn ich am Abend in meine Wohnung gehe, 3 Minuten benötige ich dafür, dann trainiere ich ca. eine Stunde auf einem Fitnessgerät und finde so meinen Ausgleich. Für mich persönlich ist Wohnen und Arbeiten unter einem Dach ideal. Am Wochenende sowie Montags und Dienstags wohne ich allerdings bei meiner Lebenspartnerin am Vierwaldstädter See.

Durch welche Einflüsse wurden Sie auf Ihrem beruflichen Weg geformt?

1990 musste ich mich entscheiden zwischen individuellem Business oder Lonza AG als Grossunternehmen. Ich weiss nicht, wo ich heute, nach 27 Jahren, in so einem Grossunternehmen wäre, aber meine Entscheidung habe ich nie bereut. Wenn ich etwas mache, dann packe ich es immer richtig an. Hätte mir allerdings vor 30 Jahren jemand gesagt, dass ich mich auf bis zu 70 bis 80 Arbeitsstunden pro Woche einlassen solle, hätte ich das damals vehement abgelehnt. Man wächst da eben hinein und ich würde alles wieder genau so machen.

Welches architektonische Werk bewundern Sie besonders?

Futuristische Architektur, wie die, welche Santiago Calatrava realisiert, finde ich beeindruckend. Er arbeitet aktuell am Dubai Tower, der 2020 das höchste Gebäude der Welt sein soll. Ich bin schon zweimal in seinem Büro gewesen. Er hat Kunst und Architektur studiert und ist auch Bauingenieur. Das manifestiert sich in seinen Projekten, die alle absolut faszinierend sind. Aber natürlich gibt es weltweit noch viele weitere, sehr gute Architekten, jeder mit einer eigenen Handschrift.

„Alle wollen einen Porsche, möchten aber nicht mehr bezahlen als für einen VW Polo.“

Wie lassen sich gestalterische Ansprüche der Kunden und heutige Energie- und Kostenfragen unter einen Hut bringen?

Wir müssen entweder wieder den Planern, Architekten und ausführenden Unternehmen mehr Zeit zur Verfügung stellen um seriöse Arbeit erledigen zu können bzw. den Zeitaufwand durch perfekte Organisation optimieren. Oder die Preise müssen wieder steigen. Denn im Baugewerbe ist es fast wie in der Automobilindustrie. Alle wollen einen Porsche, möchten aber nicht mehr bezahlen als für einen VW Polo.

Zum Beispiel das Spital Chablais. Vor 5 Jahren habe ich das Projekt für einen Generalunternehmer durchkalkuliert: 320 Millionen Kostenverzeichnis. Vergeben wurde es für 270 Millionen. Die 50 Millionen Differenz müssen nun die ausführenden Unternehmen ausbaden. Den Bauherrn, in dem Fall der Kanton Waadt, interessiert dieses Dilemma nicht, er legt alles in die Hände eines Generalunternehmers. In Folge werden viele Arbeiten ins Ausland vergeben und regionale Firmen gehen leer aus. Das ist ein Grund, weshalb ich das hiesige System der Generalunternehmer nicht immer für ideal halte. In immer weniger Zeit muss immer mehr geleistet werden, ohne dass die Preise steigen. Wir haben zum Teil in den 1990er Jahren Produkte eingesetzt, für die damals das Doppelte des heutigen Preises veranschlagt wurde.

Welchen Einfluss haben neuartige Materialien und Technologien auf das Bauwesen?

Es ist begrüssenswert, dass immer wieder neue Produkte auf den Markt kommen. Vor 30 Jahren hatte ein Architekt pro Arbeitsgattung 3 bis 5 Alternativen zur Auswahl, wie er diese baulich ausführen konnte. Heute bieten sich 30 bis 50 Möglichkeiten. Neue Produkte werden zwar getestet, aber die Langzeiterfahrung im Einsatz ist heute oftmals gleich Null. Man denke da an den Fall des Grossbrandes im Londoner Grenfell Tower im Juni. (Mindestens 79 Menschen starben durch den Brand im Juni 2017, bei dem leicht entzündliche Gebäudeverkleidung und Isolierung verbaut worden waren, Anm. d. Red.) Solche Dinge dürfen nicht passieren. Mangelnde Langzeiterfahrung birgt grosse Risiken. Gerade im Bauwesen sollte die Sicherheit der Menschen aber Priorität haben. Die WOGE haben wir sehr konventionell gebaut, mit ausgereiften Produkten, die sich langfristig bewährt haben.

Fotos: Spiegelschrank COMO Loosli, Waschtisch Venticello Villeroy & Boch, Unterbau Saneo-Ceram Style Loosli, Armaturen AVA KWC, Garnituren LEA Inda, Wandklosett Format Design aus Eigensortiment Bringhen. Wandfliesen Davos matt 20/50 und Manhattan 25/60.

Neben privaten zählen Sie auch viele namhafte Grossunternehmen zu Ihren Kunden. Welches Projekt bedeutete für Sie bisher die grösste Herausforderung?

Die grösste Herausforderung war sicher das Bio-Gebäude für die Lonza AG vor knapp 10 Jahren. Die Werner Isolierwerk AG hat mit 6 Maler- und Gipserfirmen ein Konsortium gegründet und die gesamten Leichtbau- und Verputzarbeiten ausgeführt. Wir haben diese Firmen dazu geholt, weil es für eine alleine nicht machbar gewesen wäre. Die Lonza AG wollte uns als federführende Firma, zeitgleich hatten wir aber im selben Jahr in diesem Projekt weitere Aufträge in Höhe von 4.5 Millionen. Das Auftragsvolumen unseres Konsortiums belief sich alleine schon auf 3 Millionen, mit zeitweise bis zu 80 Personen auf der Baustelle. Es war eine grosse Herausforderung, die wir gemeistert haben.

Es gab auch ein Projekt in Lausanne für Philip Morris, Zeitraum 1 Jahr, für 5.5 Millionen, ein kompletter Innenausbau mit Böden, Bodenbelägen, Trennwänden, Decken und Deckenaktivierungen. Dafür haben wir zusätzlich zu unseren Mitarbeitern temporäre und Subunternehmer hinzugezogen.

Allgemein sind Projekte, bei denen z.B. die Komplexität einer Decke hohe technische Anforderungen stellt, natürlich einerseits besonders spannend und schliessen andererseits von vorneherein manchen konkurrierenden Bewerber aus.

Haben Sie auch schon ein Auge auf das neue Grossprojekt der Lonza AG in Visp geworfen?

Ja, das ist sicherlich Teil unserer Zukunft. Wenn alle geplanten Gebäude realisiert werden, reden wir über ein Volumen von mehreren hundert Millionen. Wenn die Lonza AG bis 2022 ihren Umsatz damit tatsächlich verdoppeln kann – der CEO sprach von einer Verdreifachung – ist das für die Region Oberwallis eine grosse Chance. Die Werner Isolierwerk AG ist 1974 entstanden durch Isoleure, die bei der Lonza AG Leitungen und Tanks isoliert haben. Man könnte schon sagen, ohne die Lonza AG gäbe es die Werner Isolierwerk AG nicht. Wir waren dort über 3 Jahrzehnte lang für den Unterhalt in unserer Branche verantwortlich, inzwischen ist ein zweites Unternehmen dazu gekommen, aber es gibt mehr als genug zu tun und wir blicken in eine positive Zukunft. Was bleibt, ist das Risiko, dass im Beziehungsnetz des Weltkonzerns Lonza AG andere externe Unternehmen, die wiederum mit eigenem Umfeld im Hintergrund arbeiten, sich für die Grossprojekte der Lonza AG interessieren.

Womit sind Sie derzeit vorrangig beschäftigt?

Unsere Isolierabteilung macht nach wie vor rund 40 Prozent des Umsatzes mit der Lonza AG, 60 Prozent im restlichen Wallis und auch ausserkantonal. Momentan sind wir in Österreich an einem Projekt mit einer speziellen Isolierform.

Die Cité du Lignon in Vernier bei Genf, ein Gebäudekomplex aus den 1970er Jahren, der nachisoliert werden muss, stellt einen Auftrag von 1.5 Millionen in Kooperation mit einer Firma aus Lausanne dar. Es ist die bisher grösste Wohnüberbauung der Schweiz, mit 6500 Wohneinheiten. Bei einem Drittel führen wir die Nachisolierung aus. Ein Drittel wurde bereits von einem anderen Unternehmen ausgeführt. Das letzte Drittel gehört einem anderen Bauherrn, der noch nicht über die Nachisolierung entschieden hat.

Wie kommt eine Schweizer Firma mit hohem Lohnniveau wie die Werner Isolierwerk AG an einen Bauauftrag in Österreich?

Im Projekt in Österreich wird ein spezielles, extrem teures Isolations-Produkt eingesetzt, wodurch die Lohnkosten für die Montage einen relativ geringen Anteil des Auftragsvolumens ausmachen, aber Qualität und Know-How der Arbeitsleistung von sehr grosser Bedeutung sind.

Woran messen Sie selbst Ihren Erfolg?

Mit Beharrlichkeit und der Bereitschaft, mehr zu leisten als der Durchschnitt, und mit einem gesundem, logisch denkenden Menschenverstand gelingt jedem früher oder später, seine Ziele zu erreichen. Die Frage ist nun, wie man Erfolg definiert. Ob es um Zufriedenheit geht oder um finanziellen Erfolg. Ich selbst habe nie wegen des Geldes gearbeitet. Alles, was ich mache, möchte ich schön, sauber und effizient erledigen. Bis jetzt hat diese Lebenseinstellung gut funktioniert.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Partner bei der Realisierung eines Projektes aus?

Nach bald 30 Jahren hat man schon eine gewisse Erfahrung darin. Trotzdem: Vertrauen ist ok, Kontrolle ist besser, sei es bei Kunden oder bei Lieferanten. Bei der WOGE habe ich dies anfänglich auf reiner Vertrauensbasis getan, wurde dabei aber auch schwer enttäuscht. Durch die Entscheidung, den Architekten für dieses Projekt zu wechseln, bin ich mit Peter Schmidt, bpm Schmidt GmbH, zusammengekommen, der einiges neu aufgezogen und die Umsetzung der Pläne realisiert hat. Aber so ist es oft im Leben. Aus Entscheidungen können positive aber auch negative Folgen entstehen. Wenn man jedoch das Richtige daraus lernt, ist es nie umsonst!

Die Sanitärprodukte und Wand- und Bodenplatten in der WOGE wurden von der BRINGHEN AG Visp geliefert.

Foto: Wandklosett Forum New und Duschenwanne Saneo aus Eigensortiment Bringhen, Trennwand Optima 300 Duscholux, Brausegarnitur Crometta 85 Hansgrohe.

Foto: Spiegelschrank Saneo, Waschtisch Saneo Set, Mischer Format Delta und Garnituren Saneo aus Eigensortiment Bringhen; Unterbau Universal Puris.

In allen 36 Mietwohnungen und auch in Ihrer Privatwohnung in der WOGE sind die Badezimmer mit Sanitärprodukten und Wand- und Bodenplatten von der BRINGHEN AG Visp ausgestattet. Was hat Sie dazu bewogen?

Diese Entscheidung ist insbesondere aufgrund des guten Preis-Leistungsverhältnisses gefallen. Mein Augenmerk lag auf zuverlässiger Qualität und Langlebigkeit zu einem überzeugenden Preis.

Foto: Duschenwanne SILEX Edles Bad, Bodenplatten Evo New York dunkel 30/50.

„Jeder ist sein eigener Architekt.“

Wie viel Architektur braucht der Mensch?

Ich glaube, jeder Mensch braucht in gewisser Weise Architektur. Im privaten wie auch im beruflichen Bereich. Für mich ist Arbeiten immer Architektur. Es beginnt damit, wie jemand seinen Arbeitsplatz gestaltet. Jeder ist doch sein eigener Architekt. Aber es braucht natürlich auch Architekten, die im eigentlichen Sinn das Bild von Dörfern und Städten mitgestalten, und Raumplaner, die in unserer Umwelt Schönes visualisieren. Dafür braucht es dann allerdings Kunden, die bereit sind, dies zu bezahlen. Architektur ist für mich nicht nur das, was die ganz Grossen erschaffen, wie Calatrava oder Herzog & de Meuron, es gibt so viele kleine Architekturbüros und auch wir selbst, die Wunderbares realisieren.

Wir haben bei der InnoOne AG in Rothenburg LU die Vertretung der Fielitz Gmbh Ingolstadt, eines führenden Herstellers von 3D Elementen in allen Metallen, die individuell nach Wunsch geformt werden können. Natürlich ist es überaus spannend, im Rahmen dieser Produkte mit den ganz grossen Architekturbüros zusammen zu arbeiten. Aber auch hier zeigt sich, dass gerade die mittelgrossen Büros teilweise an sehr interessanten Projekten arbeiten und daraus ergeben sich immer wieder Synergien für die Werner Isolierwerk AG.

 

Ort
Visp

Baujahr
2016

Architekt
bpm Schmidt GmbH
Kantonsstrasse 63
3930 Visp
info@bpm-schmidt.ch
bpm-schmidt.ch

Plattenlegergeschäft
Lambrigger GmbH
3984 Fiesch
lambrigger-fliesen.ch

Bauherrschaft
Werner Isolierwerk AG
Mondstrasse 24
3930 Visp
wiv@rhone.ch
werner-isolierwerk-visp.ch

Lesen sie auch das Interview mit Architekt Peter Schmidt.