Für Peter Schmidt, Inhaber und Geschäftsführer der bpm Schmidt GmbH in Visp, ist Bauen eine Vertrauenssache. Im Interview berichtet er, worauf er bei der Planung und Durchführung seiner Projekte besonderen Wert legt, sei es im Umgang mit den Wünschen seiner Kunden oder bei der Auswahl geeigneter Projektpartner.

„Bauen ist Vertrauenssache.“

Herr Schmidt, wann wird für Sie ein Bauobjekt zu einem architektionischen Werk?

In jedem Bauprojekt steckt auf gewisse Weise Architektur. Denn bei jedem Objekt, das gebaut wird, fliessen in irgendeiner Form gestalterische Gedanken in die Planung ein.

Welches architektonische Werk bewundern Sie besonders?

Le Corbusier war seiner Zeit sehr weit voraus. Ich finde seine Kreationen beeindruckend und habe sein Schaffen schon als Schüler bewundert. Aber auch aktuell gibt es insbesondere in der Schweiz einige herausragende Architekten, man denke da zum Beispiel an Pierre de Meuron. Diese Architekten spielen natürlich in einer Liga, wo sich alles um grosse Prestigeprojekte dreht. Dafür braucht es auch grosse Kunden, die das bezahlen können.

Welche Bedeutung trägt die Umgebung bei der Planung eines Objekts?

Abgesehen von den Bauzonenreglements und den vorgegebenen Parametern versuche ich immer, ein Objekt in die Umgebung zu integrieren. Manchmal machen die Reglements, denen eine Parzelle unterliegt, dies schwierig. Und die Wünsche des Bauherren haben letztlich Priorität gegenüber meinen Vorstellungen.

Wie lassen sich gestalterische Ansprüche und heutige Energie- und Kostenfragen unter einen Hut bringen?

Natürlich sind wir stets darauf bedacht, nach Minergie-Standard zu bauen, oder zumindest durch entsprechende Dämmung und Isolierung die Energiekosten eines Gebäudes so niedrig wie möglich zu halten. Etwas anderes wäre nicht mehr zeitgemäss. Auch wenn nicht immer tatsächlich Minergie mit entsprechenden Lüftungssystemen realisiert wird, so schöpfen wir doch zumindest im Wohnungsbau das Potential moderner Dämmung optimal aus, um den Energieverbrauch zu minimieren.

Wie gehen Sie als Architekt damit um, wenn ein Bauherr Wünsche äussert, die sein Budget übersteigen?

Das ist natürlich eine schwierige Situation. Aber mit den heutigen Planungsmitteln steckt man von vorneherein anhand einer Vorstudie die wichtigsten Ziele respektive Eckdaten ab, noch bevor der Startschuss für die detaillierte Ausarbeitung fällt, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Auch die Entscheidung für eine hinterlüftete Fassade zum Beispiel fällt also sehr früh, was wiederum die äussere Gestaltung beeinflusst. Gerade im Privatwohnungssektor stellt die Optik der Fassade zwar einen gewissen Wertschöpfungsfaktor dar, aber letztlich ist wichtig, dass sich der Preis in einem Rahmen bewegt, der Käufer findet. Wir sind vorwiegend im Mehrfamilienhaus-Segment tätig. Bei Objekten mit Wohnungen, die an verschiedene Eigentümer verkauft werden, ist ein gutes Preis-Leistungsverhältnis von grosser Bedeutung.

Foto: Binapark Visp West, Etappe 1

„Begehbare Duschen sind heutzutage ein Standard geworden, der aus modernen Badezimmern nicht mehr wegzudenken ist.“

Welchen Einfluss haben neuartige Materialien und Technologien auf die Architektur?

Alles Neue birgt sowohl Vor- als auch Nachteile. Gelegentlich möchte man einfach auch etwas Neues ausprobieren, obwohl sich anderes schon lange bewährt hat. Auch beim Innenausbau kommen ständig neue Produkte auf den Markt, wie zum Beispiel im Sanitärbereich. Letztlich orientieren wir uns immer an den Bedürfnissen der Kunden und ziehen dabei auch langfristige Aspekte in Betracht. Begehbare Duschen sind heutzutage ein Standard geworden, der aus modernen Badezimmern nicht mehr wegzudenken ist, und nicht nur aus praktischen Aspekten wie altersgerechtes oder rollstuhlgängiges Bauen. Auch in rein visuell-gestalterischer Hinsicht bieten sie inzwischen viele Vorteile.

„Bei der Zweitwohnungsinitiative hätte ich mir gewünscht, dass detaillierter darüber nachgedacht wird.“

Was wünschen Sie sich von Politik und Gesetzgebung für das Bauwesen?

Tatsache ist, die Gesetzesvorgaben nehmen ständig zu. Aber damit muss man als Architekt leben. Ohne die Reglements könnte jeder machen, was er will. Das wäre sicherlich nicht immer im Sinne der Bauherren. Hier im Oberwallis haben wir nach wie vor weit mehr Spielraum als in Grossstädten oder auch in manchen anderen europäischen Staaten, wo Quartierreglements und grossflächige Projektvorgaben zum Tragen kommen. Die Zweitwohnungsinitiative ist natürlich für alle hier, die in irgendeiner Weise mit dem Bauwesen zu tun haben, ein gravierender Einschnitt. Bei einem derartigen Entscheid und den damit verbundenen weitreichenden Konsequenzen hätte ich mir gewünscht, dass detaillierter darüber nachgedacht wird und die Situation der einzelnen Gemeinden individueller berücksichtigt wird.

„Ein Schweizer Unternehmen muss sich gegenüber dem enormen Preisdruck aus dem Ausland durch Qualität und Service profilieren können.“

Gibt es Bereiche, wo Sie sich sogar strengere Vorgaben als die derzeit gültigen wünschen würden?

Wenn man an die Arbeitsvergabe an ausländische Unternehmen denkt, die durch internationale Abkommen ermöglicht wird, ist das für einheimische Firmen ein harter Konkurrenzkampf, mit dem man sich immer wieder auseinandersetzen muss. Ein Schweizer Unternehmen muss sich gegenüber dem enormen Preisdruck aus dem Ausland durch Qualität und Service profilieren können, gleichzeitig wird es aber für viele Handwerker immer schwieriger, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden und zu halten.

Was macht einen guten Architekten aus?

Ein Architekt muss auf die Wünsche der Kunden eingehen können, ihre Bedürfnisse erkennen und das Projekt so realisieren, dass es sich im finanziellen Rahmen des Kunden bewegt. Wichtig ist dabei nicht nur die kurzfristige Einhaltung des Budgets. Gebäude sind langfristige Investitionen. Bauherren, aber auch spätere Mieter, müssen mit dem Objekt langfristig zufrieden sein, sich nicht ständig über auftauchende Schäden sorgen müssen. Für den Bauherrn beginnt das bereits in der Planungsphase. Als Architekt vertritt man den Bauherrn von Anfang an und muss sich für seine Interessen einsetzen.

Foto: Binapark Visp West, Etappe 1.

„Die Menschen sollen sich in den Häusern wohlfühlen.“

Woran messen Sie selbst Ihren Erfolg?

Ein Objekt, das rundum gut abgeschlossen ist und bei dem alle an der Realisierung beteiligten Parteien zufrieden sind, das bedeutet für mich Erfolg. Also nicht nur die Zufriedenheit des Bauherrn, sondern auch die der späteren Käufer und Mieter ist mir wichtig. Die Menschen sollen sich in den Häusern wohlfühlen. Diese Kundenzufriedenheit ist für mich als Architekt mein Erfolgsmassstab und zugleich auch die beste Werbung.

Welches Projekt bedeutete für Sie bisher die grösste Herausforderung?

Die WOGE in Visp war definitiv eine der komplizierteren Angelegenheiten. Nicht aus den Anforderungen des Objekts an sich, sondern weil ich auf Bitten des Bauherrn in ein Projekt eingestiegen bin, an dessen Planung ich nicht beteiligt gewesen war. Sämtliche Eckdaten waren schon vorgegeben und das Untergeschoss und das Stahlskelett des Gebäudes standen bereits. Ich musste die gesamte Planung überarbeiten und einige Fehler beheben, um die Fertigstellung zu ermöglichen. Und wir mussten dies in kürzester Zeit schaffen, um Rohbauschäden und Stillstand auf der Baustelle zu vermeiden.

Auch Terrassenhäuser, wie wir sie schon gebaut haben, die sich hier in steile Hänge einfügen, stellen natürlich besondere und auch interessante Anforderungen an die gesamte Planung.

Welche Projekte beschäftigen Sie derzeit?

An zwei Standorten in Visp, einer davon in Hanglage mit viel Ausblick, und in Brig-Glis in schöner grüner Umgebung, haben wir Projekte mit Mehrfamilienhäusern und Wohnüberbauungen in Arbeit.

„Im Hinblick auf langfristige Leistungen und Service ist es vorteilhaft, die Partner in der Nähe zu haben.“

Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Partner bei der Realisierung eines Projektes aus?

Qualität und Leistung müssen überzeugen, und natürlich muss auch der Preis stimmen. Aber der günstigste Preis nützt nichts, wenn die Qualität des Produkts oder der geleisteten Arbeit nicht von Dauer ist, daraus entstehen früher oder später unangenehme Folgekosten für Bauherren oder Käufer. Die Balance aus Preis und Leistung muss gegeben sein. Letztlich entscheidet der Bauherr, aber ich versuche immer, regionale Handwerker und Lieferanten zu berücksichtigen. Denn auch im Hinblick auf langfristige Leistungen und Service ist es vorteilhaft, die Partner in der Nähe zu haben.

Foto: Binapark Visp West, Etappe 2

Wieviel Architektur braucht der Mensch?

Brauchen wir Architektur überhaupt? Architektur im gestalterischen Sinne ist meiner Ansicht nach nicht überlebenswichtig. Ausserdem ändern sich die Trends immer wieder und über Geschmack lässt sich bekanntlich sowieso nicht streiten. Architektur kann das Leben verschönern. Manchmal leider aber auch verwüsten. In vielen Gebäuden, die mich vom architektonischen Standpunkt aus begeistern, würde ich nicht unbedingt wohnen wollen. Da liegen manchmal Welten zwischen optischem Eindruck und Brauchbarkeit.

Die Sanitärprodukte und Wand- und Bodenplatten in den Mehrfamilienhäusern Binapark 1 und 2 wurden von der BRINGHEN AG Visp geliefert.

 

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Lesen Sie auch das Interview mit Urs Meichtry, Bauherr der WOGE.